Koruption legalisiert nicht legitimiert

vom 29.08.2007 11:08 Uhr

Seit einigen Jahren gibt es den sogenannten Transparency Index, eine Erfassung der wahrgenommenen Koruption innerhalb eines Landes. Näheres zur Erfassung/Ermittlung des Indexes soll nicht Thema dieses Beitrages sein und ist unter www.transparency.de nachschlagbar. Das diesjährige Ranking lässt Deutschland im Internationalen Vergleich kaum mustergültig dastehen, war somit auch Anlass für mich, mir meine Gedanken zu diesem Thema zu machen. So stellte ich mir einmal die Frage, wo ich im Beruf schonmal auf Korruption getroffen sein sollte. Eine Sache, die mich in meiner Funktion als Marketingleiter unserer Firma immer wieder mal erreicht ist folgende:

Dann und wann flattert mir eine mehr oder weniger freundliche Aufforderung zur Nutzung einer "Werbemöglichkeit" auf den Tisch, in der angeboten wird, in einem noch zu erstellen Info-Flyer eines unserer Kunden den übrig verfügbaren Platz für eine kleine Anzeige zu nutzen. Man suggeriert, dies sei doch eine hervorragende Möglichkeit sich zu präsentieren. Tja - ist die wirklich sooo hervorragend, oder ist eher die Angst, den Kunden mit einer Absage verprellt zu haben die Motivation zur Auftragserteilung. Ich denke, es ist eher Letzteres. Für die Bewertung des Wertes einer solchen Kampagne fehlt es nämlich an grundsätzlichen Fakten. Weder eine konkrete Aussage über die Verteilung der Werbung noch der zu erreichenden Zielgruppen kann gemacht werden und hängt ganz davon ab, wie der Kunde mit seinen Flyern oder Broschüren zukünftig verfährt. Allein die Aussage der Werbegestalter, die uns im "Kundenauftrag" angesprochen haben, es würde eine Auflage von X-tausend Exemplaren gedruckt, sagt gar nichts aus. Wenn ich 5000 mal eine Werbeanzeige gedruckt in einen Aktenschrank legen will, dann kann ich das zu vergleichsweise geringen Kosten mit meinem Bürofotokopierer und ein wenig Platz in unserem Aktenarchiv auch ganz alleine erreichen. Wie kommt es also zu solchen Angeboten, habe ich mich gefragt.

Dazu betrachtet man einfach einmal die Sache aus dem Blickwinkel meines Kunden. Bei diesem tauchte nämlich eines Tages mal ein Vertreter des Werbegestalters auf, der ihm offerierte, er bekomme 5000 Hochglanzbroschüren 8-Seitig über sein Unternehmen erstellt und das ganze zum Null-Tarif. Geiz ist geil denkt dieser und fragt noch kurz nach dem Haken. Es gibt keinen, wird ihm versichert. Einzig eine Liste solventer und gewichtiger Lieferanten mit Kontaktdaten und Ansprechpartnern solle er übergeben. Um den Rest braucht er sich nicht länger zu kümmern. Den Rest kann sich nun ja sicher jeder denken. Der "solvente" Lieferant wird aufs übelste, annähernd erpresserisch aufgefordert gefälligst 2 bis 3 tausend Euro für eine unsinnige Anzeige locker zu machen. Und das schlimmst daran - viele sagen unbedacht auch sofort zu.

Bei den mir bisher angebotenen Kampagnen lagen die Preise bei etwa 4500,- € für 1/4 Seite und anhand der Musterbroschüren die überreicht wurden war zu erkennen, daß es mindestens 12 - 14 Anzeigen je Broschüre gab - das macht also einen Reibach von ca. 60.000 € für die Erstellung von 5000 gedruckten 8-seitigen Broschüren, also ca. 12,- € je Broschüre. Zum Vergleich bei Printshop24.de bekommt man eine entsprechende Broschüre bereits ab ca. 1,80 € und selbst die Super DeLuxe-Variante übersteigt nie die 4,- € Marke.

Wenn man sich diese Spielchen also mal so anguckt, kann man das durchaus für korupt halten. Nach dem Motto "Wenn Du mein Lieferant bleiben willst, dann zahle gefälligst meine Broschüre". Sorry Leute, aber sowas bekommt bei mir eine klare Abfuhr. Solches Gebahren kann und will ich auf keinen Fall unterstützen. Und sollte auch einmal ein Kunde daraufhin die Geschäftsbeziehung lösen, dann war es diese garantiert nicht Wert. Wehret den Anfängen. Wenn bei mir einmal eine solche Werbeagentur auftaucht und mir eine "kostenlose" Broschüre gestalten will fliegt sie achtkantig raus! Erst Blüten treibt diese Manie nämlich bereits. Kürzlich erreichte uns eine E-Mail eines unserer Kunden. Inhalt (gekürzt): …wollen wir zu unserem 50-jährigen Jubiläum ein großes Kundenfest geben. Wir freuen uns, wenn Sie, als langjähriger guter Lieferant, dieses mit einer einmaligen Zahlung von 1.500 € unterstützen. Eine ensprechende Rechnung geht Ihnen demnächst zu…." Dreist, dreister, am dreistesten kann ich da nur sagen. Mit dem Kunden machen wir einen Jahresumsatz von etwa 1200 €! Meine erste Reaktion auf so viel Unverschämtheit war: Wer sind seine besten und größten Kunden? Die kriegen das hier jetzt anonym weitergeleitet. Dann soll er sich mal kräftig blamieren!

Auf diese Art und Weise wird versucht, Korruption völlig legitim darzustellen. Für mich bleibt es Korruption und damit illegal!

 

Buchtip des Tages

vom 11.11.2006 10:11 Uhr

\' Vater spinnt.\'. Der Weg zum Endlos- GarnVater spinnt
von Waltraud Holtz-Honig
Wirtschaftsverlag Langen Müller/Herbig
Amazon 14,90 €

 

 

Warum gerade dieses Buch. Nun, das Buch befindet sich seit ca. 1995 in  meinem Besitz. Es ergab sich, daß ich zunächst den Autor in Münster, wo er auch heute noch lebt, kennen lernen durfte. Nach einem sehr netten Gespräch, wurde ich neugierig auf die von ihm erwähnte Biographie und kann sagen, daß ich den Kauf nie bereut habe. Seit Jahren habe ich immer schonmal vorgehabt, Herrn Meimberg noch einmal zu besuchen und ihm für die bereiteten Lesefreuden zu danken und natürlich nur so ganz nebenbei um eine persönliche Widmung zu bitten.

Kurzbeschreibung Julius Meimberg ahnt 1948 nicht, daß er mit seiner Erfindung eine Revolution im spinntechnischen Bereich, das Open-End- oder Rotorspinnverfahren, entscheidend mitprägen wird. Es beginnt der mühsame Weg eines Erfinders, der seine Idee praktisch umsetzen möchte und auf erhebliche Schwierigkeiten stößt, technischer wie menschlicher Art. Mit Spannung verfolgt der Leser, wie Meimberg mit Firmenschefs und Konstrukteuren zusammenarbeitet, sein Patent anmeldet, auf dem Prozeßweg für sein Recht kämpft, Geld verdient und wieder verliert. Sein Maschinenmodell steht seit 1993 im Deutschen Museum in München.

GIFTKELLER eröffnet

vom 18.09.2006 01:09 Uhr

Ab heute gehöre nun wohl auch ich zu den Bloggern. Blog - also das persönliche Tagebuch im Internet. Näheres zu diesem Blog, zu mir und wie es dazu kam findet Ihr auf der Infoseite. Nun aber viel Spaß in meinem Blog.